Kritik an Leonhard Kuckart - „Kinderlärm ist Zukunftsmusik!“
Freitag, den 11. Februar 2011 um 10:02 Uhr
(WP) Von „Skandal“ ist die Rede, von einem „unglaublichen Vorgang“, von Empörung und öffentlicher Zurückweisung. Jedenfalls hat der stellv. Landesvorsitzende der Senioren-Union, Leonhard Kuckart, mit seiner Forderung, nicht generell Kindertagesstätten in Wohngebieten zuzulassen, auch und besonders innerhalb der CDU eine Lawine des Widerspruchs losgetreten. Kuckart hatte sich auf einen Gesetzentwurf des Bundesumweltministers Norbert Röttgen, auch Landesvorsitzender der nordrhein-westfälischen CDU, berufen und dabei auf das Grundgesetz verwiesen, mit einem solchen Gesetz würden die Rechte anderer verletzt und von unzumutbarer Lärmbelästigung gesprochen, gleich, ob die Quelle „sympathisches Kindergeschrei ist oder das Hämmern des Pressluftbohrers.“
Klaus Büenfeld, Stadtverbandsvorsitzender der Arnsberger CDU und von Beruf Sozialpädagoge im Jugendamt der Stadt Sundern, unterstützt Bundesumweltminister Röttgen, das Immissionsgesetz so zu ändern, dass Klagen gegen Kindertagesstätten und Bolzplätze in Wohngebieten nicht mehr möglich sind. Büenfeld: „Kinder sind bekanntlich selten geworden. Das ist traurig genug. Das ist aber ein Grund mehr, sich sorgsamer und intensiver um alle Kinder in unserem Land zu kümmern. Wir haben täglich daran, zu arbeiten, Lebensbedingung für Kinder zu schaffen, die ihnen eine gesunde Entwicklung ermöglicht. Sie gestalten die Welt von morgen, in der sie Verantwortung tragen.“ Büenfeld hält Kuckarts Ansicht für eine Einzelmeinung. „Ich halte die Senioren-Union für eine offene und den Enkeln zugewandte Organisation.“
Von einem ,,unglaublichen Vorgang“ spricht Heinz Hesse, Vorsitzender des CDU. Ortsverbandes Neheim, selbst Mitglied der Senioren-Union. Er hat Kuckart einen geharnischten Brief geschrieben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Auffassung von der Mehrheit unseres Landesverbandes geteilt wird. Ich erwarte, dass Sie sich von dieser Meinung verabschieden“, heißt es darin unter anderem.
Auch Bürgermeister Hans-Josef Vogel nahm Stellung zur bizarren Debatte. „Kinderlärm ist auch heute keine Lärmbelästigung. Alles andere ist Quatsch. So sehen das auch die Älteren unserer Stadt. Wenn das jetzt in ein offizielles Gesetz hinein geschrieben wird, ist das eine längst überfällige Klarstellung, nicht mehr und nicht weniger.“ Im Übrigen gelte: „Nur eine Stadt, die attraktiv ist für die Jüngeren, ist auch eine gute Heimat für die Älteren. Wir müssen Chancen für alle bieten.“

